Ranzenfest 2018

Ranzenfest 2018

So wird’s ein prima Schulanfang: Hinten (v. l.) Werner Gmeiner, Robert Pellengahr, Klaus Keller, Ilse Herberg und Wolfhart von Zabiensky mit Kindern, die eine Erstausstattung zum Schulanfang bekamen. Foto: Barbara Puppe

OFFENBURG. Zum Ende der Sommerferien bereiten sich die Schulanfänger auf den Ernst des Lebens vor. Ohne einen tollen neuen Schulranzen ist ein solcher Schulstart kaum denkbar, auch eine gut gefüllte Schultüte gehört zum großen Tag. Vielen Eltern aber fehlt das Geld für diese nicht ganz billige Ausstattung. Dass die Schulanfänger der Offenburger Tafelkunden nicht gleich am ersten Schultag ins Abseits geraten, dafür sorgt seit sieben Jahren die Tafel. Sie hatte am Donnerstag wieder die künftigen Erstklässler mit ihren Familien zum alljährlich stattfindenden „Ranzenfest“ mit Waffeln und kühlen Getränken in den Hof der Offenburger Tafel eingeladen. 29 Kinder konnten dabei dank der tatkräftigen Unterstützung der Tafel, der Stadt Offenburg, der Edeka Offenburg , der Firma Lidl und der Offenburger Firma Kaechelen stolz ihren nagelneuen Schulranzen nebst Schultüte in Empfang nehmen. Obendrauf gab es einen Apfel und eine Banane.

„Eine Einschulung ist etwas ganz besonderes“, wandte sich Klaus Keller, Abteilung Schule der Stadt Offenburg, in einer kurzen Begrüßung an die erwartungsvollen Sechs- bis Siebenjährigen: „Ihr sollt einen richtig guten Start ins Leben bekommen“, deshalb freue er sich, dass die Stadt zur Schulranzen-Aktion wieder 5000 Euro bereitgestellt habe. Ohne das Engagement der Tafel allerdings wäre das alles gar nicht möglich, würdigte er die engagierte Arbeit des ehrenamtlichen Tafelteams.

Ilse Herberg, Vorstandsmitglied und Mitbegründerin der Einrichtung, hatte damals die Hebel in Bewegung gesetzt und offene Ohren bei der Stadt gefunden: Alle Tafelkinder sollten zum Schulanfang mit einem neuen hochwertigen Ranzen ausgestattet werden. 650 Gramm leicht ist ein solcher qualitativ guter Schulbegleiter und deshalb auch von den Kleinsten auf dem künftigen alltäglichen Weg zur Schule gut zu tragen. Gefüllt wird er mit den notwendigen Utensilien für einen gelungenen Schulbeginn: Heften, einem Mäppchen mit Stiften, Wachsmalfarben, Radierer, Spitzer und allem, was dazu gehört. Dafür erhalten die Eltern einen Gutschein, den sie bei der Firma Kaechelen einlösen können.

Getreu dem Motto „Bildung – Chance fürs Leben“ wird Kindern von Tafelkunden von Anfang an Hilfe angeboten. Auch Kinder von einkommensschwachen Familien sollten sich nicht gleich am ersten Schultag ausgegrenzt und als „Tafelkind“ auf die Seite gestellt fühlen.

„Chancengleichheit,für alle Kinder gibt es leider nicht.“
Ilse Herberg

„Wir wollen nicht aus Harz-IV-Kindern auch Harz-IV-Empfänger machen“, erklärte Wolfhart von Zabiensky, Vorsitzender der Tafel Offenburg und Landesvorsitzender der Tafeln in Baden-Württemberg. Auch diese Kinder hätten eine große Zukunft vor sich, wenn sie gefördert würden. In Baden-Württemberg gibt es 145 Tafeln, nur zwei davon machen ein ähnliches Angebot.

1300 Familien in Offenburg haben eine Kundenkarte, die zum Einkauf bei der Tafel berechtigt, Das bedeutet, dass etwa 5000 Menschen mit Grundnahrungsmitteln versorgt werden. Sie können sich aus dem Angebot aussuchen, was sie wollen, und bezahlen dafür etwa 15 Prozent des normalen Preises. Aber es komme nicht nur auf die körperliche Ernährung, sondern auch auf die geistige an, wie Werner Gmeiner, ehemaliger Leiter der Gewerbeakademie Offenburg betonte, er organisiert bei der Tafel das Bildungsprojekt. Denn „Chancengleichheit für alle Kinder gibt leider es nicht“, wie Ilse Herberg bedauerte, zur Bildung gehöre nicht nur, dass Kinder gut Lesen und Schreiben könnten, sondern dass sie auch integriert würden. Das Bildungsprojekt umfasse deshalb nicht nur Nachhilfe, sondern auch die Kontakte mit den Familien.

Diese schilderten den Förderbedarf ihrer Kinder, etwa Nachhilfe in Deutsch oder Mathe, in der Sprechstunde (Mittwoch, 16 bis 18 Uhr). Unter dem Stamm der aktuell 25 ehrenamtlich Lehrenden – Schüler der Oberstufe, Studenten der Hochschule und pensionierte Lehrer – würden geeignete ausgesucht. Sie suchen ihre Schützlinge meist zu Hause auf. Etwa 70 Kinder und Jugendliche erhalten so Nachhilfe, Hausaufgabenkontrolle sowie Beratung und Hilfe bei der Berufswahl und der Wahl eines Ausbildungsplatzes. Für die Eltern seien die begleitenden Gespräche eine Art Lebenshilfe, oft lerne dabei die ganze Familie unkompliziert die deutsche Sprache.
Offenburger Tafel
Die Tafelbewegung ist 25 Jahre alt. 934 Tafeln gibt es in Deutschland, davon 145 im Landesverband. Die erste Tafel in Baden-Württemberg wurde 1993 eröffnet. Auf der Basis einer privaten Initiative von Bürgerinnen und Bürgern wurde 1999 die Offenburger Tafel, Standort Am Unteren Mühlbach 1, gegründet. Der Begriff Tafel ist geschützt. 2017 wurde die Offenburger Tafel per Satzungsänderung umbenannt in Tafel Offenburg.