HIWIN spendet für das Bildungsprojekt

HIWIN spendet für das Bildungsprojekt

Die Firma Hiwin im Gewerbegebiet Rammersweier spendet € 25.000 an vier Projekte (von links): Robert Pellengahr und Ilse Herberg (Offenburger Tafel), Bülent Tarkan (Hochschule Offenburg), Werner Mäurer (Geschäftsführer Hiwin), Thomas M. Wendt (Hochschule Offenburg), Mei-Li Liou (Prokuristin Hiwin), Heinrich Meyer (Wiederaufbau Bhaktapur Nepal e. V.) und Josef Erdrich (ASHA Freundes- und Förderkreis). Foto: Ralf Burgmaier

OFFENBURG. Die Firma Hiwin spendet 25 000 Euro an vier Projekte in Offenburg. Es sind dies: die Offenburger Tafel, der ASHA-Freundes- und Förderkreis, der Verein Wiederaufbau Bhaktapur Nepal, sowie das Leuchtturmprojekt AGV an der Hochschule Offenburg. Werner Mäurer, seit den Anfängen von Hiwin in Offenburg Geschäftsführer des Maschinen bauers, erklärte bei der Spendenübergabe die Strategie, die hinter der Auswahl der Spendenempfänger steht.

Mäurer erinnerte zunächst daran, was seine Firma, deren Zentrale in Taiwan sitzt, groß gemacht habe. Für Hiwin arbeiten laut Mäurer weltweit 6000 Beschäftigte, in Offenburg sind es heute rund 320. Gestartet ist sie im Jahr 1993 mit neun. Dieses Wachstum habe unter anderem mit einer Gesellschaft, einem Gemeinwesen zu tun, einer Infrastruktur, Schulen und Hochschulen, kurz mit Standortvorteilen, die das ermöglicht hätten, so Mäurer. Die Spenden von Hiwin seien somit ein Dank an die Gesellschaft für diese Rahmenbedingungen.

Deutschland, so Mäurer, habe keinen anderen Rohstoff zu bieten als „den Rohstoff Hirnschmalz“. Damit das Ansehen der zugegebenermaßen teuren „deutschen Wertarbeit“ in der Welt weiterhin hoch bleibt, müsse Deutschland international sympathisch wahrgenommen werden. Deshalb unterstütze sein Offenburger Unternehmen zum Beispiel die Hilfsprojekte ASHA und Wiederaufbau Bhaktapur, die in Nepal nach dem verheerenden Erdbeben von 2015 wertvolle Aufbauhilfe leisteten. Damit tragen sie laut Mäurer zum guten Image Deutschlands bei, was auch bei Kaufentscheidungen etwa von Maschinen einen Ausschlag geben könnte. Mehr noch sei wichtig, so der Hiwin-Geschäftsführer, dass ausländische Studierende zur Ausbildung nach Deutschland kommen könnten. „Wer hier ausgebildet wird, dessen Herz hängt in der Regel auch an diesem Land“, beschreibt Mäurer den positiven Nebeneffekt. Wenn die Leute in ihrer Heimat als Entscheider zurückkehren, täten sie das als Deutschland gewogene Influencer.

Dass der Zugang etwa an baden-württembergischen Hochschulen derzeit durch Studiengebühren erschwert werde, sieht der Hiwin-Gesellschafter deshalb kritisch. Die Hochschule Offenburg, an der Mäurer selbst seine Ausbildung genossen hat und die nach seinen Worten „ein cooler Laden“ sei, brauche auch deshalb Unterstützung. Während die Offenburger Tafel und die genannten Nepal-Hilfsvereine mit jeweils 5000 Euro von Hiwin bedacht werden, erhält die Hochschule 10 000 Euro für ein Leuchtturmprojekt zur Entwicklung selbstfahrender Roboter. „Die scheinbare Ungerechtigkeit“, dass dieses Projekt doppelt so viel Geld erhält, relativierte Hochschulkanzler Bülent Tarkan bei der Spendenübergabe mit dem Hinweis darauf, dass Investitionen in die Hochschule einen Mehrwert „mit dem Multiplikator 2,5 bis 3“ für die Region brächten.

Die Offenburger Tafel erhielt die € 5.000, laut Werner Mäurer für ihre Bildungsbasisarbeit. Das Geld geht an die Hausaufgabenhilfe der Tafel für junge Menschen aus schwierigen Familienverhältnissen.

Ranzenfest 2018

Ranzenfest 2018

So wird’s ein prima Schulanfang: Hinten (v. l.) Werner Gmeiner, Robert Pellengahr, Klaus Keller, Ilse Herberg und Wolfhart von Zabiensky mit Kindern, die eine Erstausstattung zum Schulanfang bekamen. Foto: Barbara Puppe

OFFENBURG. Zum Ende der Sommerferien bereiten sich die Schulanfänger auf den Ernst des Lebens vor. Ohne einen tollen neuen Schulranzen ist ein solcher Schulstart kaum denkbar, auch eine gut gefüllte Schultüte gehört zum großen Tag. Vielen Eltern aber fehlt das Geld für diese nicht ganz billige Ausstattung. Dass die Schulanfänger der Offenburger Tafelkunden nicht gleich am ersten Schultag ins Abseits geraten, dafür sorgt seit sieben Jahren die Tafel. Sie hatte am Donnerstag wieder die künftigen Erstklässler mit ihren Familien zum alljährlich stattfindenden „Ranzenfest“ mit Waffeln und kühlen Getränken in den Hof der Offenburger Tafel eingeladen. 29 Kinder konnten dabei dank der tatkräftigen Unterstützung der Tafel, der Stadt Offenburg, der Edeka Offenburg , der Firma Lidl und der Offenburger Firma Kaechelen stolz ihren nagelneuen Schulranzen nebst Schultüte in Empfang nehmen. Obendrauf gab es einen Apfel und eine Banane.

„Eine Einschulung ist etwas ganz besonderes“, wandte sich Klaus Keller, Abteilung Schule der Stadt Offenburg, in einer kurzen Begrüßung an die erwartungsvollen Sechs- bis Siebenjährigen: „Ihr sollt einen richtig guten Start ins Leben bekommen“, deshalb freue er sich, dass die Stadt zur Schulranzen-Aktion wieder 5000 Euro bereitgestellt habe. Ohne das Engagement der Tafel allerdings wäre das alles gar nicht möglich, würdigte er die engagierte Arbeit des ehrenamtlichen Tafelteams.

Ilse Herberg, Vorstandsmitglied und Mitbegründerin der Einrichtung, hatte damals die Hebel in Bewegung gesetzt und offene Ohren bei der Stadt gefunden: Alle Tafelkinder sollten zum Schulanfang mit einem neuen hochwertigen Ranzen ausgestattet werden. 650 Gramm leicht ist ein solcher qualitativ guter Schulbegleiter und deshalb auch von den Kleinsten auf dem künftigen alltäglichen Weg zur Schule gut zu tragen. Gefüllt wird er mit den notwendigen Utensilien für einen gelungenen Schulbeginn: Heften, einem Mäppchen mit Stiften, Wachsmalfarben, Radierer, Spitzer und allem, was dazu gehört. Dafür erhalten die Eltern einen Gutschein, den sie bei der Firma Kaechelen einlösen können.

Getreu dem Motto „Bildung – Chance fürs Leben“ wird Kindern von Tafelkunden von Anfang an Hilfe angeboten. Auch Kinder von einkommensschwachen Familien sollten sich nicht gleich am ersten Schultag ausgegrenzt und als „Tafelkind“ auf die Seite gestellt fühlen.

„Chancengleichheit,für alle Kinder gibt es leider nicht.“
Ilse Herberg

„Wir wollen nicht aus Harz-IV-Kindern auch Harz-IV-Empfänger machen“, erklärte Wolfhart von Zabiensky, Vorsitzender der Tafel Offenburg und Landesvorsitzender der Tafeln in Baden-Württemberg. Auch diese Kinder hätten eine große Zukunft vor sich, wenn sie gefördert würden. In Baden-Württemberg gibt es 145 Tafeln, nur zwei davon machen ein ähnliches Angebot.

1300 Familien in Offenburg haben eine Kundenkarte, die zum Einkauf bei der Tafel berechtigt, Das bedeutet, dass etwa 5000 Menschen mit Grundnahrungsmitteln versorgt werden. Sie können sich aus dem Angebot aussuchen, was sie wollen, und bezahlen dafür etwa 15 Prozent des normalen Preises. Aber es komme nicht nur auf die körperliche Ernährung, sondern auch auf die geistige an, wie Werner Gmeiner, ehemaliger Leiter der Gewerbeakademie Offenburg betonte, er organisiert bei der Tafel das Bildungsprojekt. Denn „Chancengleichheit für alle Kinder gibt leider es nicht“, wie Ilse Herberg bedauerte, zur Bildung gehöre nicht nur, dass Kinder gut Lesen und Schreiben könnten, sondern dass sie auch integriert würden. Das Bildungsprojekt umfasse deshalb nicht nur Nachhilfe, sondern auch die Kontakte mit den Familien.

Diese schilderten den Förderbedarf ihrer Kinder, etwa Nachhilfe in Deutsch oder Mathe, in der Sprechstunde (Mittwoch, 16 bis 18 Uhr). Unter dem Stamm der aktuell 25 ehrenamtlich Lehrenden – Schüler der Oberstufe, Studenten der Hochschule und pensionierte Lehrer – würden geeignete ausgesucht. Sie suchen ihre Schützlinge meist zu Hause auf. Etwa 70 Kinder und Jugendliche erhalten so Nachhilfe, Hausaufgabenkontrolle sowie Beratung und Hilfe bei der Berufswahl und der Wahl eines Ausbildungsplatzes. Für die Eltern seien die begleitenden Gespräche eine Art Lebenshilfe, oft lerne dabei die ganze Familie unkompliziert die deutsche Sprache.
Offenburger Tafel
Die Tafelbewegung ist 25 Jahre alt. 934 Tafeln gibt es in Deutschland, davon 145 im Landesverband. Die erste Tafel in Baden-Württemberg wurde 1993 eröffnet. Auf der Basis einer privaten Initiative von Bürgerinnen und Bürgern wurde 1999 die Offenburger Tafel, Standort Am Unteren Mühlbach 1, gegründet. Der Begriff Tafel ist geschützt. 2017 wurde die Offenburger Tafel per Satzungsänderung umbenannt in Tafel Offenburg.

Spende der St.-Andreas-Stiftung unterstützt das Bildungsprojekt für Kinder

Spende der St.-Andreas-Stiftung unterstützt das Bildungsprojekt für Kinder

Eine großzügige Spende der St.-Andreas-Stiftung unterstützt das Bildungsprojekt für Kinder von »Tafel«-Kunden. Mit ehrenamtlichem Nachhilfeunterricht in den Familien soll mehr Chancengleichheit erreicht werden.

Mit einer Spende von 16 000 Euro unterstützt die St.-Andreas-Bürgerstiftung Offenburg das Bildungsprojekt der »Tafel« Offenburg. »Kinder brauchen mehr als Brot«, beobachten die »Tafel«-Leute täglich und starteten 2014 das »Bildungskonzept«. Es soll den Grundschulkindern der Kunden mit »Tafel-Pass«  ermöglichen, aus dem Kreislauf von Bedürftigkeit mit Bildung und damit zu Gestaltung einer Zukunft herauszufinden.

»Chancengleich sind unsere Kinder fast alle nicht«, weiß Ilse Herberg, Mitbegründerin der »Tafel« und Herz der Einrichtung. Im »Bildungsprojekt« unterrichten 17 Lehrende­ derzeit rund 44 Schüler in Deutsch und Mathe. Der Unterricht findet bei den Kindern daheim statt, damit soll zudem die Integration der gesamten Familie gefördert werden. Und so kompliziert ist es auch gar nicht: »Die Familien sind gastfreundlich, die Schüler sehr fleißig, alle warten mit Freude auf mein Kommen«, gibt Fatma Ügür, Lehramtsstudentin, einen Einblick in die Projektarbeit.

Bürgerschaftliches Engagement fördern

Für Armin Fink, Sprecher des Vorstandes der St.-Andreas-Bürgerstiftung, sei es in der Stiftungstradition erklärtes Ziel, »bürgerschaftliches und ehrenamtliches Engagement zu fördern«. Ein breites Spektrum darf sich über die Zuwendungen der Stiftung freuen. Die Bereiche »Bildung, Senioren, Kultur« gehören dazu. Der Erlös der Spende stamme aus den Kapitalerträgen der St.-Andreas-Stiftung, erläuterte Fink. Die »Tafel« wird seit Jahren von städtischer Seite anerkannt und zum Beispiel durch die Schulranzen-Aktion unterstützt. Robert Pellengahr, stellvertretender Vorsitzender der »Tafel«, betonte, dass für das Bildungsprojekt laut Satzung keine Mittel der »Tafel« zur Verfügung stehen dürfen. Daher sei man auf Spenden angewiesen und über die großherzige Zuwendung der St.-Andreas-Stiftung sehr glücklich.

Erster Preistäger geworden

Die Lehrenden erhalten lediglich eine winzige Aufwandsentschädigung, sie sind in der Regel mehrere Stunden pro Woche zur Nachhilfe eingeteilt. Welche Früchte das Projekt Bildung bereits trägt, war am Mittwoch bei der Spendenübergabe zu hören. »Wir konnten schon Schüler bis zum Abi führen«, freute sich Ilse Herberg. Michael Merlin, Schüler und talentierter Gitarrenspieler, begleitete die Spendenübergabe mit feinen Klängen. Dahinter verbirgt sich eine schöne »Tafel – St. Andreas«- Kooperation. Für junge Musiker aus dem Umfeld der »Tafel« habe man sich bei der Stiftung »starkgemacht«, die gute Beziehung zur St.-Andreas-Stiftung genutzt. Die wiederum ist Kulturförderer. Michael Merlin ist Erster Preisträger des Wettbewerbs »Jugend musiziert« geworden.

»Das Bildungsprojekt baut Brücken, ermöglicht den Menschen, lebendiger Teil der Stadtgemeinschaft zu werden«, beschloss Armin Fink die Spendenübergabe. Und es gab noch einen Aufruf der hochengagierten »Tafel-Leute«: »Wir benötigen dringend Bufdis«, (Bundesfreiwilligen-Dienst), appellierte Pellengahr. »Einfach vorbeikommen im Laden am Unteren Angel und sich informieren.«